In weiten Teilen Europas liegt der Unterschied zwischen einer 7-kW- und einer 11-kW-Wallbox nicht im Hardwarepreis, sondern in der Zahl der Phasen. Drehstrom ermöglicht höhere AC-Ladeleistung, aber nur, wenn das Auto ihn nutzen kann und das Gebäude ihn bereitstellt. Wer die Phasen versteht, vermeidet enttäuschte Fahrer und teure Fehler in der Standortplanung.
- Am europäischen 230/400-V-Netz liefert einphasiges Laden 3,7 kW bei 16 A oder 7,4 kW bei 32 A; dreiphasig sind es 11 kW bei 16 A oder 22 kW bei 32 A.
- Das On-Board-Ladegerät des Autos entscheidet, wie viele Phasen genutzt werden; manche Autos laden nur ein- oder zweiphasig.
- In Deutschland begrenzt die Schieflastregel einphasige Lasten typischerweise auf 4,6 kVA, was einphasiges Laden auf etwa 20 A beschränkt.
- An Standorten mit mehreren Ladepunkten verteilt Phasenrotation die Last gleichmäßig und erhöht die nutzbare Kapazität.
Phasen in Kürze
Drehstrom liefert Energie über drei Leiter, deren Spannungen zeitlich versetzt sind. In Europa liegen an jeder Phase etwa 230 V gegen Neutralleiter und etwa 400 V zwischen den Phasen. Wohnungen in manchen Ländern haben nur eine Phase; Gewerbebauten und in Deutschland nahezu alle Haushalte haben drei. Nordamerika nutzt ein anderes System: Level-2-Laden im Wohnbereich läuft meist über 240 V Split-Phase, aus Sicht des Autos einphasig.
Ladeleistung nach Phasen und Strom
| Versorgung | Strom je Phase | Ungefähre Leistung |
|---|---|---|
| Einphasig, 230 V | 16 A | 3,7 kW |
| Einphasig, 230 V | 32 A | 7,4 kW |
| Dreiphasig, 400 V | 16 A | 11 kW |
| Dreiphasig, 400 V | 32 A | 22 kW |
| Split-Phase, 240 V (Nordamerika) | 32–48 A | 7,7–11,5 kW |
Auch das Auto entscheidet
Eine AC-Ladestation bietet Leistung nur an; das On-Board-Ladegerät entscheidet, wie viel und über wie viele Phasen es lädt. Typische Fälle:
- Dreiphasiger 11-kW-On-Board-Lader: heute in Europa am verbreitetsten.
- Dreiphasiger 22-kW-On-Board-Lader: bei manchen Modellen, oft als Option.
- Einphasiger On-Board-Lader: manche, vor allem ältere oder kleinere Modelle laden selbst an 22-kW-Ladepunkten nur einphasig mit 3,7 oder 7,4 kW.
- Zweiphasiges Laden: einige Modelle nutzen zwei Phasen und erreichen etwa 7,4 kW bei 16 A.
Deshalb liefert ein öffentlicher 22-kW-AC-Ladepunkt oft nur 11 kW, und manche Autos laden an dreiphasigen Ladestationen überraschend langsam. Die Auswirkungen zeigt unser Leitfaden zu Ladezeiten.
Schieflastgrenzen
Zieht eine einphasige Last hohen Strom, werden die drei Phasen eines Gebäudes ungleich belastet. Netzregeln begrenzen diese Schieflast. In Deutschland liegt die zulässige Schieflast nach VDE-AR-N 4100 in der Regel bei 4,6 kVA, was einphasiges Laden auf etwa 20 A beschränkt. Prüfen Sie die Vorgaben Ihres Netzbetreibers, bevor Sie an einem Drehstromanschluss auf einphasige 7,4 kW setzen.
Phasenrotation an Standorten mit mehreren Ladepunkten
Ziehen alle einphasigen Autos eines Standorts über L1, wird diese Phase überlastet, während L2 und L3 kaum genutzt werden. Installateure lösen das mit Phasenrotation: Jede Ladestation wird mit versetzter Phasenfolge angeschlossen (L1-L2-L3, L2-L3-L1, L3-L1-L2), sodass einphasige Autos sich auf alle drei Phasen verteilen. Zusammen mit einem Lastmanagement, das die Phasenbelegung jeder Ladestation kennt, können so mehr Autos am selben Anschluss laden. Die Softwareseite erklärt unser Leitfaden zu Smart Charging und Lastmanagement.
1/3-Phasen-Umschaltung und PV-Überschussladen
Manche Ladestationen können während eines Ladevorgangs zwischen ein- und dreiphasigem Betrieb umschalten. Das ist beim PV-Überschussladen nützlich: Bei geringem Überschuss ist einphasiges Laden mit 6 A (etwa 1,4 kW) möglich, dreiphasiges Laden braucht mindestens etwa 4,1 kW (6 A je Phase). Die Umschaltung muss von Ladestation und Auto unterstützt werden; manche Autos reagieren schlecht auf häufiges Umschalten.
Phasen im OCPP-Smart-Charging
OCPP-Ladeprofile können die Zahl der zu nutzenden Phasen enthalten, Limits lassen sich in Ampere je Phase oder in Watt angeben. Setzt das Managementsystem an einer dreiphasigen Ladestation ein Limit in Ampere, ergibt sich etwa die dreifache Leistung wie beim selben Limit an einer einphasigen. Die korrekte Phaseninformation je Ladestation ist daher für präzises Lastmanagement unverzichtbar.
Planungstipps
- Versorgung prüfen: Klären Sie, ob Drehstrom vorhanden ist und wie viel Kapazität je Phase verfügbar ist.
- Flotte berücksichtigen: Prüfen Sie bei Flotten die On-Board-Lader der zu ladenden Fahrzeuge.
- Wo möglich dreiphasig installieren: Das macht den Standort zukunftssicher, auch wenn heutige Autos einphasig laden.
- Phasen rotieren an Standorten mit mehreren Ladepunkten.
- Lastmanagement je Phase konfigurieren, nicht nur als Gesamtleistung.
Unser Vergleich 11-kW- oder 22-kW-Wallbox hilft bei der Wahl der Ladeleistung, sobald die Versorgung bekannt ist.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich an einem einphasigen Anschluss mit 11 kW laden?
Nein. 11 kW erfordern drei Phasen mit 16 A. Einphasig liegt das praktische Maximum bei etwa 7,4 kW mit 32 A, in Deutschland wegen der Schieflastregel meist darunter.
Warum lädt mein Auto an einer 22-kW-Ladestation nur mit 7 kW?
Ihr Auto hat vermutlich einen einphasigen oder begrenzten On-Board-Lader. Die Ladestation bietet 22 kW an, das Auto entscheidet aber, wie viel es aufnimmt.
Ist dreiphasiges Laden besser für den Akku?
AC-Laden mit 11 oder 22 kW ist in beiden Fällen akkuschonend. Der Unterschied liegt vor allem in der Ladezeit und in der Netzbelastung.
Was ist Phasenrotation?
Der Anschluss mehrerer Ladestationen eines Standorts mit versetzter Phasenfolge, damit sich einphasige Autos gleichmäßig auf alle drei Phasen verteilen, statt eine zu überlasten.
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