Wer neu in die Ladeinfrastruktur einsteigt, begegnet schnell zwei Abkürzungen, die dasselbe zu beschreiben scheinen: CPO und EMP (international auch eMSP). Beide sind beteiligt, wenn ein Fahrer lädt, beide können eine App haben und beide schreiben Rechnungen. Dennoch spielen sie unterschiedliche Rollen, verdienen auf unterschiedliche Weise und tragen unterschiedliche Risiken.

Dieser Leitfaden erklärt beide Rollen, zeigt ihr Zusammenspiel, wenn ein Fahrer im Netz eines anderen Unternehmens lädt, und hilft bei der Entscheidung, welche Rolle oder Kombination zu Ihrem Geschäft passt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Ein CPO (Charge Point Operator, Ladepunktbetreiber) betreibt die Infrastruktur: Ladepunkte, Verfügbarkeit, Preise an der Säule und Standortbeziehungen.
  • Ein EMP (E-Mobility-Provider) betreut die Fahrer: App, Ladekarte, Verträge und Abrechnung.
  • Roaming verbindet beide, sodass Kunden eines EMP an den Ladepunkten vieler CPOs laden können.
  • Viele Unternehmen sind beides, doch die Rollen bleiben in Datenflüssen und Abrechnung getrennt.

Was ist ein Ladepunktbetreiber (CPO)?

Ein CPO ist für den Betrieb von Ladestationen verantwortlich. Er kann sie besitzen oder im Auftrag eines Standorteigentümers betreiben. Typische Aufgaben:

  • Ladestationen installieren, in Betrieb nehmen und warten.
  • Ladestationen per OCPP an ein Lademanagement-System (CSMS) anbinden und überwachen.
  • Preise an der Ladesäule festlegen, einschließlich Ad-hoc-Preisen für Fahrer ohne Vertrag.
  • Standort-, Verfügbarkeits- und Preisdaten veröffentlichen.
  • Technische und rechtliche Vorgaben erfüllen, etwa Bezahl- und Messvorschriften.

Der CPO verdient an verkaufter Energie, direkt von Ad-hoc-Kunden oder indirekt über EMPs, die für die Ladevorgänge ihrer Kunden zahlen. Wenn Sie diese Rolle erwägen, lesen Sie unseren Leitfaden „Ladepunktbetreiber werden“.

Was ist ein E-Mobility-Provider (EMP)?

Ein EMP verschafft Fahrern Zugang zum Laden und muss dafür keinen einzigen Ladepunkt besitzen. Typische Aufgaben:

  • App, RFID-Ladekarte oder Schlüsselanhänger zum Starten des Ladevorgangs anbieten.
  • Eine Karte verfügbarer Ladepunkte über viele Netze hinweg zeigen.
  • Fahrerverträge, Abos und Kundenservice verwalten.
  • Fahrern Ladevorgänge in allen genutzten Netzen in Rechnung stellen.
  • Roamingverträge mit vielen CPOs aushandeln.

Der EMP verdient an der Differenz zwischen dem, was er dem CPO zahlt, und dem, was er dem Fahrer berechnet, plus Abogebühren. Autohersteller, Energieversorger, Tankkartenanbieter und Flottendienstleister treten häufig als EMP auf.

Direkter Vergleich

AspektCPOEMP
Wichtigstes GutLadeinfrastrukturKundenstamm der Fahrer
HauptkundenFahrer an den eigenen Ladepunkten, Standortpartner, EMPsFahrer und Flotten
ErlöseEnergieverkauf, Blockiergebühren, StandortdiensteLademarge, Abos, Flottenservices
KernsystemeCSMS, OCPP, BezahlterminalsFahrer-App, Abrechnung, Kundendatenbank
HauptrisikenAuslastung, Verfügbarkeit, NetzkostenKundengewinnung, Roamingpreise
KapitalintensitätHochGering bis mittel

Wie CPO und EMP zusammenarbeiten

Ein Fahrer mit der App von EMP A kommt an eine Ladesäule von CPO B. Der Ladevorgang läuft so ab:

  1. Autorisierung: Der Fahrer hält die Karte vor oder startet in der App. Die Ladesäule sendet eine Autorisierungsanfrage an das CSMS von CPO B, das bei EMP A prüft, ob das Token gültig ist.
  2. Laden: Das System von CPO B erfasst Ladevorgang, Energie und Dauer aus den Zählerwerten.
  3. Ladedatensatz: Nach Ende sendet CPO B einen Charge Detail Record an EMP A.
  4. Abrechnung: EMP A stellt dem Fahrer nach eigenem Tarif eine Rechnung.
  5. Ausgleich: CPO B stellt EMP A gemäß Roamingvertrag eine Rechnung, direkt oder über eine Roaming-Plattform.

Der Datenaustausch zwischen CPO- und EMP-Systemen erfolgt meist über OCPI, ein offenes Protokoll genau für diesen Zweck. Details erklärt unser Leitfaden zu OCPI; den Unterschied zum Protokoll zwischen Ladesäule und CSMS zeigt unser Beitrag OCPI vs. OCPP.

Direktverbindung oder Roaming-Plattform?

CPOs und EMPs können sich auf zwei Arten verbinden:

  • Peer-to-Peer: Jedes Unternehmenspaar schließt einen Vertrag und verbindet seine Systeme direkt. Das bietet mehr Kontrolle, kostet aber Aufwand pro Partner.
  • Über eine Plattform: Beide verbinden sich einmal mit einer Roaming-Plattform, die viele Partner, Verträge und den Zahlungsausgleich abwickelt. Das skaliert schneller, kostet aber Gebühren.

Viele Betreiber kombinieren beides: Direktverbindungen zu den größten Partnern und eine Plattform für den Rest.

Gleichzeitig CPO und EMP sein

Viele Unternehmen spielen beide Rollen. Ein Ladenetz mit eigener App ist CPO für die eigenen Ladepunkte und EMP für seine App-Nutzer, die per Roaming auch anderswo laden. Vorteile sind die direkte Kundenbeziehung und bessere Margen an eigenen Ladepunkten. Der Preis sind mehr Systeme, mehr Kundenservice und Roaming in beide Richtungen.

Welche Rolle passt zu Ihrem Unternehmen?

Wenn Sie ... sindWahrscheinliche Rolle
Standorteigentümer oder Investor mit Fläche und NetzkapazitätCPO, eventuell mit Betriebspartner
Energieversorger mit vielen PrivatkundenEMP, oft auch CPO
Flottendienstleister oder TankkartenanbieterEMP für Flottenfahrer
Hotel, Händler oder ParkhausbetreiberStandortpartner oder CPO für eigene Standorte
Installateur oder ElektrofachbetriebCPO-Dienste unter eigener Marke mit einer White-Label-Plattform

Häufig gestellte Fragen

Kann ein CPO ohne EMP direkt an Fahrer verkaufen?

Ja. Über Ad-hoc-Zahlung per Karte oder QR-Code oder über eine eigene App kann ein CPO Fahrer direkt bedienen. Roaming mit EMPs bringt lediglich zusätzliche Kunden.

Braucht ein EMP eigene Ladepunkte?

Nein. Ein EMP kann über Roamingverträge mit CPOs Zugang zu Tausenden Ladepunkten bieten, die ihm nicht gehören.

Wer legt den Preis fest, den der Fahrer zahlt?

Beim Ad-hoc-Laden der CPO. Für Fahrer mit EMP-App oder Ladekarte legt der EMP den Endkundenpreis fest, während der CPO dem EMP einen vereinbarten Roamingtarif berechnet.

Gibt es einen Unterschied zwischen EMP, eMSP und MSP?

Meist nicht. Die Begriffe werden im Ladebereich weitgehend gleichbedeutend verwendet; in Deutschland ist EMP verbreitet, international eher eMSP.

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